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DDR-Rennwagenmodelle

 


Portrait Monat Dezember 2017

Jürgen Käppler

Zur rechten Zeit am rechten Ort


Zwischen 1977 und 1981 lief das Abonnement des Mücke-Zastavas auf den DDR-Meistertitel. Nur im Jahr 1979 konnte ihn der Berliner ihn aufgrund seiner beiden Unfälle nicht einlösen.

So wurde dieses Jahr überraschend zum Showdown des Großwalterdorfers Jürgen Käppler.

 


Erst im Februar dieses Jahres hatte er sich entschlossen, mit seinem langjährigen Mechaniker Henry Uhlig einen Lada1300 aufzubauen. An den folgenden Abenden und Wochenenden

wurde bis tief in die Nacht geschweißt, gebaut und  geschraubt. Nur zwei Monate Zeit blieben ihnen bis zum Abnahmetermin im Frühjahr. Morgens um 5 Uhr war das Auto dann fertig und um 9 Uhr standen beide pünktlich in Leipzig und stellten das neue Sportgerät den  technischen Kommissaren vor.



Was dann im weiteren Rennjahr folgte, war ein Feuerwerk an Freude und Überraschung: Ein sechster Platz auf dem Sachsenring, ein fünfter in Schleiz, mehrmals aufs Treppchen bei Bergrennen und schließlich Zweiter in Frohburg. Die Punkte reichten! Nach dem Ausfall von Mücke wären eigentlich Sonntag, Schachtschneider, Isensee oder Kindel die Aspiranten auf den Meistertitel gewesen – den Kranz hängte sich am Ende Jürgen Käppler um.

 


Das Rennfieber hat er wahrscheinlich vom Vater Erich Käppler geerbt, der nach dem Krieg zu den Rennsportlern der ersten Stunde zählte. Von 1953 bis 1955 war dieser in der 1100er Sportwagenklasse mit einem VW-Eigenbau unterwegs gewesen und hatte nach einer mehrjährigen Pause Mitte der 1960er Jahre die Formel III mit einem SEG-Wartburg bereichert. Als der Altmeister den Rennsport aus gesundheitlichen Gründen beenden musste, kletterte Sohn Jürgen in dessen Rennzigarre. Das war bereits im Jahr 1965. Talent und technisches Wissen wurden offensichtlich mit dem Rennwagen gleich mit übergeben – 1967 wurde Jürgen Käppler Juniorenmeister.


Bis 1973 war der Erzgebirgler dann als Stammpilot regelmäßig in der Formel III und der Klasse C9 unterwegs. Am Jahresende registrierte ihn die Statistik immer unter den besten Zehn.

 Nach einer vierjährigen Pause, in der er unter anderem seine Skoda-Vertragswerkstatt eröffnete, entdeckte er dann 1977 die Klasse der Tourenwagen für sich. Mit einem selbst aufgebauten Skoda S120 versuchte er Fuß zu fassen. Vom Reglement eingebremst erfolgte zwei Jahre später dann der erfolgreiche Wechsel auf den Lada. Nach seinem Paukenschlag-Debüt wurde er damit 1980 und 1981 noch einmal jeweils Vizemeister.

 „Eines der bedeutendsten Rennen war am Sachsenring am 13.Juli 1980, der Kampf um den Sieg mit Sportfreund Mücke, der ein echter Konkurrent war. Obst und Gemüse kriegten Flügel!“, weiß er heute noch begeistert darüber zu berichten. Auch auf dem Schleizer Dreieck versetzte der Mann aus dem Erzgebirge das Publikum 1981 in Begeisterung. Im internationalen Pokalrennen aus den hinteren Reihen gestartet,  verbesserte sich die „95“ von Runde zu Runde und kämpfte sich schließlich vom zehnten bis auf den vierten Platz vor.


1987 baute er noch einmal einen neuen Skoda 120 nach den neuen Homologationsvorschriften auf, mit dem er sich im selben Jahr als bester Ostdeutscher im internationalen Vergleich platzierte. 1989 schaffte er damit ein weiteres Mal einen vierten Tabellenplatz, im Folgejahr beendete er seine motorsportliche Laufbahn.

Der über Siebzigjährige ist seit Jahren mit seiner Frau Ursula verheiratet. Mit einem Schmunzeln verweist er auf seine feuerfeste Rennkombi, die seinerzeit unter ihren geschickten Händen entstanden war. Nach der Wende steckte der Erzgebirgler seine Zeit und Kraft in den Umbau seines Service-Betriebes in ein erfolgreiches Skoda-Autohaus. Dass sein Sohn Henrik inzwischen den Familienbetrieb weiterführt, erfüllt ihn mit ein wenig Stolz. So findet der Naturliebhaber heute auch die Ruhe und Ausgeglichenheit, von Zeit zu Zeit in der wunderschönen und waldreichen Umgebung seines erzgebirgischen Wohnortes der Jagd nachzugehen.

 

Befragt man ihn nach seinen Eindrücken von der Zeit mit seinen ostdeutschen Rennsportfreunden, dann fallen nur wenige aber vielsagende Worte: „Allen danke ich von Herzen“.






Aus: "Von Könnern, Machern und Legenden", HB-Werbung und Verlag 2016,  ISBN 978-3-00-054449-1

Fotonachweis: Archiv Käppler  (15),